Familiengrundschulzentren werden zur Hängepartie

Familiengrundschulzentren werden zur Hängepartie

In Ludwigshafen soll es bald sogenannte Familiengrundschulzentren geben. Doch wie genau sollen sie überhaupt aussehen, und vor allem: Wie werden sie finanziert? Einen ersten politischen Beschluss hat jetzt der Jugendhilfeausschuss gefasst – und trotzdem bleibt die Lage unübersichtlich.

Volle zwei Monate ist es inzwischen her, dass die SPD-Fraktion ankündigte, die Teilnahme Ludwigshafens beim Pilotprojekt „Familiengrundschulzentrum als multiprofessioneller Ort in der Schule“ (Famos) beantragen zu wollen – und zwar für die Gräfenau- und Goetheschule, die beide im Hemshof liegen sowie die Bliesschule in West. Hintergrund ist die aktuelle Krisensituation, die an der Gräfenauschule besonders akut ist, wo in diesem Jahr wohl 40 Kinder die erste Klasse wiederholen müssen. Anfang Mai diskutierte schließlich der Stadtrat über den Antrag der SPD, jetzt am Donnerstag der Jugendhilfeausschuss – dorthin wurde das Ganze verwiesen, weil schlichtweg noch wesentliche Informationen dazu fehlten, wie das vom Land geförderte Projekt konkret umgesetzt werden soll.

Im Jugendhilfeausschuss wurde jetzt allerdings klar: Dieses Grundproblem besteht weiterhin. „Wir wissen ja noch gar nicht, wie Famos in Rheinland-Pfalz aussehen wird“, äußerte sich Wilhelma Metzler (CDU) zum Antrag der SPD-Fraktion. Bisher gebe es vonseiten des Landes keine konkreten Richtlinien, für Ludwigshafen stehe noch keine solide Finanzierung des Projekts und auch Gespräche mit den Schulen hätten zu dem Thema noch gar nicht stattgefunden. Der laut Antrag angestrebte Start von Famos zum neuen Schuljahr sei so kaum realistisch.

Schlecht vorbereitete Sozialdemokraten

„Infos aus dem Internet“

Bereits kurz vor der Sitzung des Jugendhilfeausschusses hatte Barbara Mächtle, die Schulleiterin der Gräfenauschule gegenüber der RHEINPFALZ gesagt: „Wir als Schulleitungen haben zum Thema Familiengrundschulzentren kaum Informationen. Weder wissen wir, was konkret geplant ist, noch was man von uns als Schule erwartet.“ Sie wisse derzeit noch nicht einmal, welche Räume für das Familiengrundschulzentrum genutzt werden sollen, oder ob die Möglichkeit bestehe, dass Gräfenau- und Goetheschule gemeinsam ein Familiengrundschulzentrum bekommen können – was aus Sicht der beiden Schulen wünschenswert wäre. „Unsere Informationen zu diesem Projekt, das in Nordrhein-Westfalen schon seit ein paar Jahren läuft, haben wir in erster Linie aus dem Internet“, sagt Mächtle.

Auch Christiane Müller, Rektorin der Grundschule Pfingstweide, die als beratendes Mitglied im Ausschuss sitzt, merkte an: „Die Schulleitungen haben aus der Zeitung erfahren, dass das Thema Familiengrundschulzentren auf der Tagesordnung des Jugendhilfeausschusses steht.“ Warum sich die SPD als antragstellende Partei nicht die Mühe gemacht hat, zumindest jene drei Schulen anzusprechen, für die sie die Familiengrundschulzentren beantragt, blieb am Donnerstag unklar. Osman Gürsoy, SPD-Ortsvorsteher im Hemshof, befand indes, dass die Stadtverwaltung doch schon längst mit den Schulleitungen hätte sprechen können. „Das ist Fachaufgabe der Verwaltung, wenn ein Antrag vorliegt“, so der Sozialdemokrat, der berichtete, eine der drei Schulleitungen zum Thema Familiengrundschulzentren persönlich angesprochen zu haben.

Grundsätzlich breite Unterstützung

Ohne Einblick darüber, welche Bedürfnisse und Ideen die Grundschulen zum Thema überhaupt haben und ohne zu wissen, wie das Projekt seitens der Stadt solide finanziert werden kann, könne man dem Antrag so nicht zustimmen, lautete der allgemeine Tenor der anderen Fraktionen, die im Ausschuss jedoch durch die Bank deutlich machten, dass sie das Projekt grundsätzlich unterstützen.

Für die Stadt Ludwigshafen würden im Jahr 2023 Kosten von 34.475 Euro für die Familiengrundschulzentren anfallen, deren Ziel es ist, Eltern stärker einzubinden und Angebote sowie Kooperationspartner unter dem Dach der Grundschule zu strukturieren. 2024 wären seitens der Stadt 70.700 Euro zu finanzieren, in 2025 insgesamt 82.300 Euro.

Die Verwaltung sollte laut SPD-Antrag im laufenden Haushaltsjahr dafür bislang unbesetzte Stellen heranziehen, ab dem Haushaltsjahr 2024 seien die Mittel im Haushalt einzuplanen. Weil dies insbesondere CDU, Grünem Forum und Piraten sowie der AfD zu unkonkret war, traf der Ausschuss am Ende auf Vorschlag des Forums eine Entscheidung „auf Vorrat“. Heißt konkret: Ohne die Nennung einer konkreten Anzahl befürwortet der Jugendhilfeausschuss die Einführung von Familiengrundschulzentren in Ludwigshafen – und zwar sobald die offenen Fragen geklärt sind.

Kaiserslautern aus Projekt ausgestiegen

Für das Pilotprojekt Famos waren in Rheinland-Pfalz ursprünglich je drei Schulen in den Städten Kaiserslautern, Koblenz und Wittlich ausgewählt worden. Die Stadt Kaiserslautern hatte ihre Teilnahme am Modellprojekt Ende April aus finanziellen Gründen aber gekippt.

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