Eltern üben Kritik: An mehreren Grundschulen fallen zusätzliche Deutschkurse weg

Eltern üben Kritik: An mehreren Grundschulen fallen zusätzliche Deutschkurse weg

Dass an Ludwigshafener Grundschulen viele Kinder ohne Deutschkenntnisse in die Klassen integriert werden müssen, bleibt eine große Herausforderung. Elternvertreter kritisieren deshalb, dass das Land einigen Schulen bewährte Lernfördermaßnahmen gestrichen hat.

Konkret betroffen seien die Grundschulen Rupprecht (Friesenheim), Wittelsbach (Süd), Schiller (Oggersheim), Astrid-Lindgren (Ruchheim) und jene in der Pfingstweide, berichten Lena Randisi und Sandra Wagner. Die beiden Mütter engagieren sich in der Arbeitsgemeinschaft der Schulelternbeiräte, die es seit 2023 gibt. Damals wurde öffentlich, wie groß die Herausforderungen an den Grundschulen in Zeiten von Flucht und Migration sind.

„Wir als Elternvertreter möchten erneut darauf hinweisen, dass neben der Gräfenauschule auch viele andere Ludwigshafener Grundschulen vor dem Problem stehen, dass Kinder ohne Sprachkenntnisse und ausreichende Vorläuferfähigkeiten in die bestehenden Regelklassen integriert werden müssen“, sagt Randisi (38) als Vorsitzende der AG. Ihre Stellvertreterin Sandra Wagner berichtet: „Allein in der letzten Woche sind zum Beispiel wieder drei Kinder ohne Deutschkenntnisse an die Rupprechtschule gekommen.“ Die Situation sei bereits sehr angespannt, regelmäßig gebe es deshalb Debatten darüber, in welcher Klasse man solchen Kindern überhaupt noch gut weiterhelfen könne.

Umso unverständlicher sei es, dass mehrere Ludwigshafener Grundschulen seit Beginn des Jahres nun keine „additive Lernförderung“ mehr finanziert bekommen. „Das waren Deutschkurse, die seit der Corona-Pandemie einmal pro Woche mit jeweils zwei Stunden nachmittags und in Kooperation mit der Volkshochschule stattfanden“, erläutert Randisi. Finanziert wurden die Kurse über das inzwischen ausgelaufene Programm „Aufholen nach Corona“.

„Startchancen-Schulen“ profitieren weiterhin

Was die Elternvertreterinnen besonders ärgert: Während die genannten fünf Grundschulen trotz bestehenden Bedarfs und auch großen Erfolgs die Deutschkurse gestrichen bekommen haben, stünden anderen Grundschulen dafür weiterhin finanzielle Mittel zur Verfügung – nämlich jenen, die das Land für die kommenden zehn Jahre in das sogenannte Startchancenprogramm aufgenommen habe. Konkret handelt es sich dabei um die Grundschulen Blies (West), Goethe-Nord und Gräfenau (beide Hemshof), Luitpold (Friesenheim), Kästner (Mitte) und Lessing (Edigheim).

„Seitens der Politik ist immer wieder von Bildungsgerechtigkeit die Rede“, sagt Lena Randisi. „Dann sollten allerdings auch 67.000 Euro da sein – denn um diesen Betrag geht es –, um jenen fünf Grundschulen die VHS-Deutschkurse weiter zu finanzieren, die nicht am Startchancenprogramm teilnehmen können, die aber ebenfalls einen hohen Sprachförderbedarf haben.“ Dass die Elternvertreter diese neue Art von Differenzierung, die nun unter den Ludwigshafener Schulen entstehe, als schwierig erachten, habe man bei einem Runden Tisch im Dezember zum Ausdruck gebracht, sagt Sandra Wagner. Eine Rücknahme der getroffenen Entscheidung werde es jedoch nicht geben, habe es seitens des Landes geheißen. „Natürlich ist uns klar, dass auch Schulen in Pirmasens oder Kaiserslautern ihre Forderungen in den Ring werfen würden, sofern in Ludwigshafen die VHS-Deutschkurse auch außerhalb des Startchancenprogramms weiterfinanziert wurden“, sagt die 42-Jährige. „Angesichts der aktuellen Situation an vielen Schulen wäre allerdings genau das die Aufgabe von Bildungspolitik.“

Stadtelternausschuss für Grundschulen in Planung

Damit Elternvertreter sich gegenüber politischen Entscheidungsträgern noch mehr Gehör verschaffen können und besser in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, planen Randisi und Wagner derzeit die Gründung eines Stadtelternausschusses für Grundschulen. Die Schulaufsicht ADD wie auch die Stadt Ludwigshafen stünden dieser Idee positiv gegenüber, die beiden Mütter hoffen, dass das neue Gremium in den nächsten Monaten etabliert werden kann.

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